14.07.2025

Eine Handvoll Fragen – Wiederaufbau vier Jahre nach der Ahr-Flut

In der rechten Ecke des Bildes steht ein Mann im Anzug vor Roll-Up-Plakaten mit dem SWB Regional-Logo.
Im Interview spricht Niels Knoff, Geschäftsführer SWB Regional, über den Fortschritt und die Herausforderungen beim Wiederaufbau nach der Ahr-Flut. (Foto: SWB/Martin Magunia)

Der Zweckverband Wasserversorgung Eifel-Ahr wurde von der Flutkatastrophe im Juli 2021 schwer getroffen. Er versorgt die Verbandsgemeinden Adenau und Altenahr und zählt rund 30.000 Kundinnen und Kunden. Die Betriebsführung des Zweckverbandes liegt seit 2006 in Händen der SWB Regional. Niels Knoff, Geschäftsführer der SWB Regional, erklärt, was in den vier Jahren nach diesem verheerenden Naturereignis passiert ist.


Infolge der Flut hatte der Zweckverband als Wasserversorger enorme Schäden an seinem Wassertransport- und -verteilsystem zu verzeichnen. Was waren äußerst betroffene Stellen und wie bewerten Sie den aktuellen Stand des Wiederaufbaus vier Jahre nach der Flutkatastrophe?

Niels Knoff: Die Haupttransportleitung, die sogenannte „Tallinie“, wurde im Zuge der Flut auf einer Länge von ca. 27 Kilometer schwer beschädigt und zum Teil komplett fortgerissen. Eine der gravierendsten Schadstellen war die Transportleitung zum Pumpwerk Antweiler. Das hatte auch Auswirkungen auf die höher gelegenen Ortschaften, die selbst nicht von der Flut erreicht wurden. Denn so waren auch diese Ortschaften teils ohne Trinkwasser. 

Vorrangig wurde daher versucht, die Tallinie in Fließrichtung aus den beiden Wasser-Bezugsquellen – dem Gewinnungsgebiet Kerpen/Nohn im Südwesten und der Wahnbachtalsperrenverband im Norden – wiederaufzubauen. Ein weiterer Meilenstein war die Wiederanbindung des zentralen Hochbehälters Dümpelfeld sowie die Verbindungsleitung von Kalenborn zu den Hochbehältern Dernau und Mayschoß, um den Bereich der unteren Ahr wieder zu versorgen.

Insgesamt bewerten wir den Wiederaufbau der Trinkwasserversorgung als eine herausragende Leistung. Denn trotz der enormen Schäden sind vier Jahre nach der Flut bereits rund 95 Prozent der Tallinie und der Leitung im Sahrbachtal, in einem Seitental der Ahr, wiederhergestellt. Die aktuell noch ausstehenden Arbeiten, sind von anderen Gewerken abhängig, beispielsweise vom Brückenbau, so dass wir den Wiederaufbau leider noch nicht wie geplant abschließen konnten. 

Welche Herausforderungen haben sich im Verlauf der Instandsetzungsarbeiten als besonders schwierig erwiesen, und wie wurden diese gemeistert?

Niels Knoff: Der Faktor Zeit spielte eine wesentliche Rolle, da es um das Hauptlebensmittel ging. Unser vornehmliches Ziel war es, die Anwohnerinnen und Anwohner der betroffenen Gebiete schnellstmöglich wieder mit Trinkwasser zu versorgen. Eine weitere Herausforderung waren die nötigen Abstimmungen mit anderen Bauträgern hinsichtlich der Leitungsführung und deren Genehmigungen. Das war nicht ganz leicht.

Nichtsdestotrotz haben wir sowohl mit eigenem Personal als auch mit Dienstleistern innerhalb kurzer Zeit viele der Reparatur- und Wiederaufbauarbeiten umsetzen können. Die hohe Motivation bei allen Beteiligten war entscheidend für den Fortschritt im Wiederaufbauprozess und ein maßgeblicher Erfolgsfaktor, um aus der akuten Notsituation herauszukommen und den Normalzustand wiederherzustellen. 

Lässt sich der Schaden beziffern?

Niels Knoff: Wir mussten sehr hohe Sonderabschreibungen für die zerstörten Leitungen vornehmen. Die Gesamtkosten für den Wiederaufbau werden sich am Ende schätzungsweise auf rund 35 bis 40 Mio. Euro summieren.

Welche Maßnahmen wurden seit der Flut ergriffen, um die Infrastruktur und die Region insgesamt besser und nachhaltiger gegen zukünftige Hochwasserereignisse zu schützen?

Niels Knoff: Beim Wiederaufbau wurden mögliche zukünftige Flutereignisse bereits mitgedacht, etwa bei der Wahl der Materialien. So wurde beim Neubau vor allem auf PE-Rohre mit Schutzummantelung anstatt auf Gussrohre gesetzt. Zum Teil wurde – wenn möglich – die Trassenführung, sprich der Verlauf der Leitungen verändert und der Leitungsgraben verkalkt, um eine bessere Verdichtung des Oberbodens zu erhalten. Hierfür mischt man dem Boden Kalk bei, um die Standfestigkeit zu erhöhen und die Leitungen besser zu schützen. Außerdem wurde auf der Infrastrukturtrasse zum Großteil der Ahrtalradweg angelegt, sodass die Leitung durch die darüberliegende Teerdecke zusätzlich besser geschützt ist.

Was sind die nächsten großen Ziele des Zweckverbands?

Niels Knoff: Nachdem der Wiederaufbau die Tätigkeiten der letzten vier Jahre dominiert hat, können wir uns heute wieder mehr dem regulären Tagesgeschäft widmen. In Zukunft möchten wir uns vermehrt darauf konzentrieren, das Not- und Ersatzwasserkonzept in der Region Eifel/Ahr zu erweitern und zu verbessern. Außerdem streben wir an, die interkommunale Zusammenarbeit mit benachbarten Wasserversorgern im nördlichen Rheinland-Pfalz zu optimieren. Alle hier geplanten Maßnahmen dienen einer zukunftsgerichteten und sicheren Trinkwasserversorgung in der Region – was mit Blick auf künftige Hochwasserereignisse oder andere Notlagen für zusätzliche Sicherheit sorgen wird. (cp)

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